Erinnerungsort Schloss Bärenklau

Kinder im Garten 1930er Jahre

Das Gesamtensemble des Flächendenkmals Schloss Bärenklau wurde durch die renommierten Berliner Architekten Alfred Breslauer & Paul Salinger ca. 1928 entworfen und unter deren Ägide im Auftrag des Gubener Tuchfabrikanten Ernst C. Lehmann-Bärenklau sukzessiv in den Folgejahren erbaut. So entstand mitten in der Wirtschaftskrise am Ende der Weimarer Republik ein Landhaus mit ca. 4000 Quadratmetern Wohnfläche.

Das im Zuge der Bodenreform enteignete Schloss ging 1946 in das Eigentum des FDGB über. Die Eröffnung als Erholungsheim fand im Juli 1947 statt. 1950 bis 1952 wurde das Heim als FDGB-Landesschule “Georgi Dimitroff”, ab 1952 als Schule der IG Post- und Fernmeldewesen, später als FDGB-Genesungsheim genutzt. Gemäß Statut des Kur- und Bäderwesens des Bezirkes Cottbus wurde das Genesungsheim ab 1981 als selbständige Einrichtung dem Ärztlichen Direktor des Moorbades Bad Muskau als Leitkureinrichtung unterstellt. Das Heim wurde zum 30. Juni 1991 aufgelöst. Das Haus kaufte ein Gubener Fabrikant. Seit 2021 wird es in Teilen privat sowie als Sitz der Schloss Bärenklau GbR und der LIVING BAUHAUS Unternehmensgruppe/LIVING BAUHAUS KUNSTSTIFTUNG SbR genutzt.

All’ die Jahre und historischen Wechsel hatte das Gebäude in einem erstaunlich guten Zustand überstanden, sodass bei den Umbau- und Sanierungsarbeiten viele historische Relikte in und am Gebäude mit quasi-archäologischer Präzision freigelegt werden konnten und verschiedene Zeitebenen zutage förderten. Zudem erzählen die Archivalien im Brandenburgischen Landeshauptarchiv von der wechselvollen Geschichte des Hauses.

Heute hat sich der Name „Schloss“ als Bezeichnung für das Landhaus längst im Volksgebrauch durchgesetzt und er wird in voller Kenntnis dieses Anachronismus gebraucht. Gerade im Unzeitgemäßen dieser Bezeichnung, so scheint es, liegt ein wesentliches Charakteristikum des Hauses; es war und ist Unzeitgemäß, lebt von Anachronismen und historischen Brüchen und Widersprüchen, wirft Fragen an die Zeit und die deutsche Geschichte auf. In dieser Dialektik einer „Zeitkapsel“ liegt der Schlüssel, der die Tür zur Energie des Ortes öffnet. Neues kann und soll in Bärenklau entstehen – das allerdings nicht ohne den genius loci des Hauses und seine Geschichte im Blick zu behalten, diese zu erzählen und mit ihr und durch sie zu arbeiten.

Eine Ausstellung über Schloss Bärenklau sowie die ehemaligen und heutige Kunstsammlung wird im Frühjahr 2024 stattfinden. 

Der junge Alfred Breslauer als Architekt von Schloss Bärenklau